Offener Brief: Wir halten zusammen! Sport, Soziales und Kultur spielen sich bei den geplanten Einsparungen nicht gegenseitig aus
- 19. Feb.
- 3 Min. Lesezeit



Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,
mit großer Sorge verfolgen wir, der Rat für Kunst und Kultur Mannheim, der Sportkreis Mannheim und die LIGA der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim, die aktuellen Diskussionen um etwaige und in Teilen bereits beschlossene Kürzungen im städtischen Haushalt. Diese betreffen in besonderem Maße die Bereiche Kultur, Sport und soziale Arbeit, und damit genau jene Säulen, die unsere Stadtgesellschaft tragen, verbinden und lebendig machen, in dem sie Menschen zusammenbringen, Austausch ermöglichen und in schweren Zeiten vielleicht auch ein bisschen Hoffnung bringen.
Wir verstehen die Notwendigkeit, auf finanzielle Herausforderungen zu reagieren. Doch diese Kürzungen machen Mannheim ärmer – ärmer auch an Angeboten für Kinder und Jugendliche, für Vereine. Der Appell an das Ehrenamt kann das nicht auffangen, denn schon jetzt ist ein großer Teil der hier geleisteten Arbeit ehrenamtlich oder wird lediglich mit einer minimalen Aufwandsentschädigung vergütet.
Künstlerinnen und Künstler sind aufgrund der aktuellen Sparzwänge verunsichert, wie lange sie ihre ohnehin schon prekär bezahlte Arbeit noch ausüben können. Langfristig werden sie in der aktuellen Debatte mehr oder weniger vergessen, kommen dann aber früher oder später in den Grundsicherungsbedarf, verlieren ggf. ihren Status in der Künstlersozialkasse und werden spätesten im Rentenalter und bei einem möglichen Pflegebedarf Kosten verursachen, die zum derzeitigen Zeitpunkt niemand einplant.
Kürzungen im städtischen Finanzhaushalt treffen die Soziale Arbeit in Mannheim typischerweise nicht linear, sondern multiplikativ: Wenn niedrigschwellige Beratung, Jugendhilfe, Quartiersarbeit, Wohnungslosen- und Suchthilfe oder Integrationsangebote reduziert werden, steigen Folgekosten in teureren Systemen (Krisenintervention, stationäre Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Polizei/Justiz) und Problemlagen verfestigen sich. Gleichzeitig gehen präventive Wirkungen verloren, die gerade in einem vielfältigen, sozialräumlich heterogenen Umfeld zentral sind: weniger erreichbare Hilfen bedeuten mehr Abbrüche, längere Wartezeiten, höhere Eskalationsrisiken und sinkendes Vertrauen in öffentliche Infrastruktur. Unter dem Strich drohen nicht nur mehr soziale Ungleichheit und eine höhere Belastung für Familien, sondern auch wirtschaftliche Ineffizienz, weil spätere Reparaturmaßnahmen regelmäßig deutlich kostenintensiver sind als frühzeitige, gut vernetzte Sozialarbeit.
Sport ist für eine immer weniger mobile Gesellschaft sehr wichtig. Mit einem breit gefächerten Angebot können wir für alle Altersstufen ein präventives Angebot bereitstellen. Je früher Menschen Sport betreiben, desto günstiger sind die Voraussetzungen, um länger mobil und vielleicht auch selbstbestimmt leben zu können.
Unsere Institutionen sind nicht nur Kostenfaktoren, sondern Investitionen in den Zusammenhalt, in Bildung, Gesundheit und Lebensqualität. Wenn wir jetzt Strukturen schwächen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, verlieren wir mehr als nur finanzielle Spielräume. Wir riskieren, dass Menschen arbeitslos werden. Wir erschweren eine stabile Versorgung mit einer gesellschaftlichen Infrastruktur, die Lebensfreude bietet und damit auch Mobilisierung und Aktivierung in allen Lebensaltern ermöglicht bzw. aufrechterhält.
Ein konkretes Beispiel, wie Sport – Kultur – Soziales schon heute auf einzigartige Weise zusammenwirken: Mit Musik, Tanz, Lesungen und einem ganz individuellen Angebot für alle können wir z.B. in Pflegeeinrichtungen sehr viel bewirken und Lebensqualität zurückgewinnen. Kulturelle Angebote dienen der Aktivierung von Bewohnenden und werden als Bereicherung empfunden. Durch das Zusammenwirken von Kultur und Sport wird ein sozialer Impact erzielt – nämlich der Vereinsamung in den Pflegeeinrichtungen entgegengewirkt.
Deshalb appellieren wir an Sie: Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen der Verantwortung und Solidarität! Suchen Sie den Dialog mit den betroffenen Akteurinnen und Akteuren, um tragfähige Lösungen zu finden, die nicht auf Kosten der sozialen, sportlichen und kulturellen Infrastruktur gehen!
Wir stehen bereit, uns konstruktiv einzubringen. Mannheim ist stark, wenn wir zusammenhalten – über alle Bereiche hinweg.
Mit freundlichen Grüßen
für den Rat für Kunst und Kultur Mannheim
Dr. Angela Wendt
für Sportkreis Mannheim e.V.
Stefan Höß, Vorsitzender
für Liga der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim
Alexander Manz, Vorsitzender

